Fragen

Wie nachhaltig ist die Verbrennung von Biomasse (Hackschnitzel)?

Um von Nachhaltigkeit und damit von CO2-Neutralität bei der Verbrennung von Biomasse zu reden, muss die Biomasse im gleichen Zeitraum nachwachsen wie diese verbraucht wird. Das heist, die Biomasse muss in einem Jahr wieder nachwachsen, welche im Heizwerk verbraucht wird.

Bei vielen Biomasse-Heizungen ist dies nicht der Fall, insbesondere bei Pelletsheizungen.

Deshalb ist Biomasse als Brennstoff immer kritisch zu hinterfragen, ob überhaupt eine nachhaltige Nutzung von Biomasse im jeweiligen Einsatzfall vorliegt.

Wächst in Lauterbach soviel Holz in einem Jahr nach, was auch in einem Jahr verbrannt wird ?

In Lauterbach sind ca. 1.000 Hektar Waldfläche vorhanden (Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft). Diese Fläche umfaßt den Privatwald als auch den Gemeindewald.

Gemäß des Waldberichts der Bundesregierung 2021 liegt der jährliche Zuwachs pro Hektar bei 10,9 m3.

Somit würde auf der Waldfläche in Lauterbach ca. 10.900 m3 Holz jährlich zuwachsen.

Für das Nahwärmeheizwerk wird eine Wärmemenge von ca. 5.000.000 kWh pro Jahr abgeschätzt (ca. 130 Gebäude). Das wäre bei einem Heizwert von ca. 3,5 kWh/kg (ca. 30% Feuchte) und einer Dichte von ca. 460 kg/m3 eine Holzmenge von ca. 3.100 m3 pro Jahr.

Das wären ca. 30% des jährlichen Holzzuwachses auf der Waldfläche Lauterbachs. Durch den möglichen Einsatz von Großwärmepumpen in Verbindung mit einer Freiflächen PV-Anlage könnte dieser Wert nochmals um ca. 20%-30% gesenkt werden.

Wird durch die Hackschnitzelanlage nicht eine große Menge an Feinstaub in die Umwelt ausgestoßen ?

Moderne Holzheizkraftwerke sind mit einer hochentwickelten Abgasreinigungstechnologie ausgestattet, um die strengen gesetzlichen Emissionsgrenzwerte, gerade auch bezüglich Feinstaub, sicher einzuhalten.

Die in der Öffentlichkeit diskutierten hohen Feinstaubwerte bei der Verbrennung von Biomasse werden deutlich mehrheitlich von den Altbeständen der Holzöfen bzw. Kleinfeuerungsanlagen verursacht.

Warum wird erwartet, dass die Versorgung mit Nahwärme dauerhaft günstiger wie mit Heizöl ist ?

Als Hauptbrennstoff sollen Hackschnitzel, welche regional gewonnen werden, eingesetzt werden.

Gerade die Energiekrise 2022 und die damit verbundenen Preisentwicklungen haben gezeigt, dass nur der regional gewonne Brennstoff „Holzhackschnitzel“ von den unverschämten Gewinnmaximierungen von Großkonzernen nicht betroffen ist.

Quelle Brennstoffpreis Entwicklung: Carmen e.V. – Preisentwicklung Brennstoffe

Ist es geplant, dass bei der Nahwärme auch andere Umweltenergien einsetzt werden ?

Gerade die Nutzung von Umweltwärme (Fließgewässer oder Umgebungsluft) speziell über Großwärmepumpen wäre eine interessante Option. Hierbei wäre es sehr hilfreich, eine große PV-Anlage für den notwendigen Betriebsstrom der Wärmepumpe anteilig einzusetzen. Dies würde die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Wichtiges Thema in Bezug zu Nahwärmenetzen ist die Minimierung von Netzverlusten, da diese unmittelbar in die Wärmegestehungskosten durchschlagen. Hier ist die Netzauslegung sowie die Gestaltung der Wärmeübergabe beim Kunden wesentlich.

Was sind die Schlüsselfaktoren für den Erfolg einer Nahwärmeversorgung (Vorlauf-Temperatur: 70-85°C)?

  • Es muss zwingend der kostengünstige und regionale Brennstoff „Hackschnitzel“ eingesetzt werden.
  • Die Wärmeerzeugungsanlage hat eine bestimmte minimale Wärmeerzeugungskapazität, um einen für die Kunden wirtschaftlichen Wärmepreis darzustellen. Mit anderen Worten, es muss jährlich eine Mindestmenge an Wärme an die Kunden verkauft werden, damit die Investitionen sich von Beginn an tragen. Das bedeutet, dass über verbindliche Absichtserklärungen diese kritische Masse zusammenkommen muss. Andernfalls kommt die Wärmeerzeugung in wirtschaftliche Schieflage und genötigt Wärmepreise zu erhöhen, was wiederum potenzielle Neukunden abschreckt.
  • Die Nutzungszeiträume von Nahwärmenetzen sollten entgegen der AfA-Tabelle „Energie- und Wasserversorgung“ bezüglich der Nutzungsdauer auf 40-50 Jahre ausgelegt werden (AfA: 3.2.2. erdverlegte Leitungen: 20Jahre). Dies ist vor allem bei der Errichtung sowie dem Betrieb dauerhaft sicherzustellen. Dadurch wird ein wesentlicher Beitrag für niedrige Wärmegestehungskosten erzielt.
  • Die Wärmeübergabe an die Kunden hat mit einem möglichst großen kundeneigenen Pufferspeicher zu erfolgen, damit in der Übergangs- bzw. Sommerzeit nur wenige Male täglich, das Netz auf Temperatur gebracht werden muss (Verminderung Netzverluste).
  • Alle Abnehmer sind über ein Datennetz miteinander an die Zentrale angebunden, damit die Wärmeerzeugung bedarfsorientiert erfolgen kann (Verminderung Netzverluste).
  • Aufgrund der dauerhaften Bindung der Kunden an die Nahwärmeversorgung ist ein entsprechendes Betreibermodell notwendig (Eigenbetrieb Gemeinde, Energieversorger), welches Vertrauen schafft, dass die Wärmeversorgung dauerhaft sichergestellt ist.

Gibt es alternativen zu einem Wärmenetz mit Vorlauftemperatur von 70-85°C ?

Grundsätzlich ja, das wäre dann ein Wärmenetz mit niedriger Temperatur (von 10-30°C, Kalte Nahwärme). Hier müßten bei jedem Verbraucher eine Wärmepumpe stehen, welche an das „kalte“ Wärmenetz primärseitig angeschlossen ist und sekundärseitig die geforderte Vorlauftemperatur der Liegenschaft erzeugt.

Vorteile:

  • geringere Verluste, da niedrigere Temperatur des Wärmenetz

Nachteile:

  • eigene Wärmeerzeugung bei jeder Liegenschaft (Wärmepumpe)
  • Stromnetz muss Kapazität haben für den Wärmepumpenbetrieb